Mein Verstand hätte sich gegen Vayu entscheiden.
Warum ist er trotzdem bei mir?
Heute erzähle ich dir eine persönliche Geschichte vom Loslassen, von Checklisten, die komplett für die Tonne sind, und von der großen Frage: Wie entscheiden wir uns eigentlich, wenn Verstand, Kopf, Herz und Intuition komplett gegeneinander schießen?
Du weißt, Hunde bestimmen mein Leben seit meinem dreizehnten Lebensjahr und eine Sache wusste ich ganz schnell: Ich will niemals einen Jagdhund. Ich habe immer gesagt: Ich komme mit allem klar, alles passt zu meinem Alltag, aber ein Jagdhund? Auf keinen Fall!
Tja. Und nun ist da auf einmal Vayu.
Ich habe ihn auf der Seite von einem Tierschutzverein gesehen, wo er gepostet wurde. Als Welpe wurde er im Ausland vor einem Supermarkt gefunden. Er hätte dort alleine absolut keine Überlebenschance gehabt. Der Tierschutzverein hat ihn aufgenommen, und als ich sein Bild das erste Mal sah, hat mein Herz direkt so ein ganz kleines bisschen gepocht.
Für mich sah er da übrigens überhaupt nicht aus wie ein Jagdhund. Aber vielleicht hat mein Unterbewusstsein bereits seinen Teil getan, damit Vayu sich in mein Herz schleichen kann.

Er wurde dann vermittelt, und damit war das Thema für mich erledigt. Er war aus meinen Gedanken raus. Dachte ich zumindest. Bis ich irgendwann wieder einen Beitrag des Tierschutzvereins sah: Er kann in seiner Familie nicht bleiben. Er muss da weg.
Da hat mein Herz das zweite Mal gepocht. Aber sofort hat sich mein Verstand eingeschaltet und gesagt: „Pia, nein. Auf gar keinen Fall.“ Die äußeren Umstände waren gerade nicht perfekt für den Einzug eines zweiten Hundes. Also: Thema abgehakt, Vayu (damals hieß er noch anders) abgehakt.
Wenn es kein Zufall mehr sein kann
Einige Zeit später sehe ich dann, dass er tatsächlich immer noch kein neues Zuhause gefunden hat! Für mich war das total unvorstellbar, weil ich diesen Hund einfach so toll und so zucker fand. Und da hat sich dann endlich mein Herz eingeschaltet und gesagt: Okay, das kann kein Zufall mehr sein. Du lernst diesen Hund jetzt kennen.
Ich habe also einen Termin ausgemacht und bin zu der Pflegestelle gefahren, auf der er inzwischen gelandet war, weil er aus seinem alten Zuhause wirklich dringend raus musste.
Um zu sehen, wie er draußen so drauf ist, sind wir eine kurze Runde spazieren gegangen.
Und na ja... da war er. Der Jäger. Durch und durch. Er war total im Außen, hat in jeden Busch reinfixiert, bei jedem Vogel ging das Vorsteh-Pfötchen in die Höhe und mein Verstand läutete alle Alarmglocken:
„Nein! Nein! Nein! Dieser Hund ist nicht dein Hund. Dieser Hund ist genau das, was du nicht wolltest und nie haben wolltest!“

Ich hatte Zoé zuvor versprochen, dass ich ihn nicht direkt mit nach Hause nehme, sondern wir beide uns am Abend gemeinsam besprechen. Ich fuhr also ohne ihn zurück.
Aber mein Herz hatte sich schon lange eingeschaltet und wurde lauter als der Verstand. Mein Herz und mein Verstand haben einfach komplett gegenteilig gesprochen.
Und deshalb – nachdem von Zoé kein Veto kam - habe ich genau das gemacht, was ich sonst allen Menschen in meinem Umfeld und meinen Kunden predige: Dass sie auf ihr Herz und auf ihre Intuition hören sollen! Es hat einen Grund, warum man diese Intuition hat und fühlt, dass das das Richtige ist – obwohl der Verstand sagt, dass es das Falsche ist. Ich habe es durchgezogen. Vayu ist bei uns eingezogen.
Mein Verstand hat mich nicht getäuscht. Vayu war und ist ein Jäger durch und durch. Aber ich erkenne heute Tag für Tag, warum dieser Jäger, dieser Jagdhund in mein Leben gekommen ist und was er mir zeigen darf und zeigen soll.
Er bringt mich an meine Grenzen. Er zeigt mir Dinge und lässt mich Dinge tun, die ich nie tun wollte… im absolut positiven Sinne, auch wenn sie für mich sowas von herausfordernd sind, mich über meine Grenzen treiben und mich komplett aus meiner Reserve locken. Vayu stupst mich genau auf die Themen, von denen ich dachte, dass ich sie schon längst bearbeitet hätte.

Damit sind wir an einem ganz wichtigen Punkt, wenn wir beginnen, auf unser Herz zu hören und unserer Intuition zu folgen:
Es geht darum, dass wir zulassen, was passiert. Dass wir zulassen, die Botschaft dahinter zu sehen, zu verstehen und anzunehmen. Wenn wir das tun, dann können wir auch drauf eingehen und etwas ändern an dem, was in unser Leben kommt – auch wenn wir es erst mal als schlecht oder herausfordernd sehen.
Wir dürfen den Weg darin sehen. Das Gute darin sehen. Dass dieses vermeintlich „Schlechte“ – in meinem Fall der Jagdinstinkt– etwas unglaublich Gutes in mir auslöst, weil es ein riesengroßes Wachstum in mir aufbringt.
Und DAS sind wir unseren Tieren schuldig. Wir entscheiden uns dafür, sie in unser Leben zu holen. Also dürfen wir ihnen zuhören. Ihren Botschaften und Themen, die sie mitbringen. Ihren Bedürfnissen.
Wenn wir dafür offen und bereit sind, sehen wir das Gute in den Herausforderungen.
Stell dir vor, ich würde verbissen an meinem Standpunkt festhalten, statt mich unserem Weg mit einer positiven Einstellung zu öffnen: Vayu würde spüren, dass ich einen Teil in ihm ablehne.
Und ja, am Anfang habe ich das auch. Ich war unfair zu ihm. Es wäre mir am liebsten gewesen, er würde einen Teil von sich unterdrücken, damit ich nicht damit konfrontiert bin.
Aber jetzt: Jetzt gehe ich auf den Jäger ein. Ich nehme ihn an. Ich integriere diesen Teil von ihm in unserem Alltag und das war der Wendepunkt, an dem ich angefangen habe zu verstehen, wofür er in mein Leben gekommen ist.
Kurz und knapp: Jeder Teil in dir (und deinem Tier) ist wichtig. Jeder Teil hat seine Aufgabe, ist ein Wegweiser. Fang an, die Schilder zu lesen. 🩵
Seelenwege Tierkommunikation - Blick ein, in meine Welt










