Zwischen Spiritualität und Alltag
Wieso fällt es uns schwer, authentisch zu sein?
In meinem letzten Blogbeitrag habe ich darüber geschrieben, wie deutlich uns das Leben manchmal Zeichen schickt, wenn etwas gesehen werden möchte. Bei mir ging es dabei um das Halschakra und darum, wie sehr ich immer wieder darauf hingewiesen wurde, genauer hinzuschauen.
Ehrlich gesagt dachte ich zuerst, dass es dabei vor allem um ein bestimmtes inneres Thema geht: nämlich darum, authentisch zu allen Seiten von mir zu stehen.
Ich arbeite sehr intuitiv, spirituell und schamanisch mit Tieren und ihren Menschen. Gleichzeitig – und ja! Jetzt „spreche“ ich es aus - mache ich Pole Dance, gehe hin und wieder gerne feiern und habe natürlich auch einfach ganz normale, menschliche Seiten in mir, die vielleicht nicht in das Bild passen, dass manche Menschen von einer Tierkommunikatorin oder generell von einer spirituell arbeitenden Person haben.

Und obwohl ich tief in mir weiß, dass das vollkommen in Ordnung ist, habe ich gemerkt, wie vorsichtig ich mit diesen Themen umgehe. Wie sehr ich darauf achte, was ich zeige und was nicht. Wie oft ich denke, dass bestimmte Dinge auf den ersten Blick „nicht zusammenpassen“ und dass andere mich vielleicht weniger ernst nehmen, wenn sie erfahren, dass ich eben nicht nur die ruhige, spirituelle Frau bin, die mit Tieren kommuniziert, sondern auch noch viele andere Facetten habe.
Vielleicht kennst du das Gefühl, sich selbst unbewusst in eine Rolle zu drücken, weil man glaubt, dass andere genau dieses Bild von einem erwarten. Aber wie kann ich anderen Menschen helfen, in ihrem ganz normalen Alltag zu ihrer Spiritualität zu finden, wenn ich mir selbst die Rolle auferlege, nur eine Rolle besetzen zu dürfen?
Ich dachte, genau darum würde es bei all diesen Zeichen gehen. Darum, mich authentischer zu zeigen. Darum zu zeigen, dass unser „Alltags-ICH“ wunderbar neben unserem spirituellen ICH Platz hat. Darum zu zeigen, dass die beiden sich sogar super ergänzen!
Aber inzwischen glaube ich, dass es eigentlich um etwas anderes geht. Oder zumindest um etwas, das noch tiefer liegt. Ich glaube, es geht um Mut.

Denn was bringt es, zu sagen „HEY. Ich gehe feiern, ich resette meine Seele beim Pole Dance UND ich bin trotzdem (oder gerade deswegen) total in meiner Spiritualität verbunden.“, wenn ich den Menschen dann nicht zeige, wie sie genau das auch leben können? Eine alltagstaugliche Spiritualität in der es nicht nur schwarz und weiß gibt.
Immer wieder kommt dieser Wunsch zu Kursen & Co. von euch. Und obwohl mich dieser Gedanke immer wieder berührt, habe ich ihn gleichzeitig auch immer wieder weggeschoben.
Nicht, weil ich nichts weitergeben möchte oder kann. Sondern weil da diese Angst ist.
Die Angst, dass es nicht gut ankommt. Die Angst, dass Menschen denken könnten, ich nehme mich zu wichtig. Die Angst, verurteilt zu werden. Und vielleicht auch die Angst, mit all dem, was ich wirklich bin und fühle, nicht angenommen zu werden.
In den letzten Monaten habe ich begonnen, kleine Schritte zu gehen. Angefangen mit einem Adventskalender, weiter zur 11-teiligen Meditationsbegleitung hin zu einem DIY Energie-CheckUP und nun einem Workbook zur intuitiven Wahrnehmung von Spiegelthemen.
Alles Dinge, die sich sehr stimmig angefühlt haben und die gleichzeitig trotzdem immer wieder diese leise Unsicherheit in mir ausgelöst haben.
...
Vor 10 Tagen ist dann mein "Bonus-Papa" (der Mann meiner Mama, der wie ein Vater für mich war) gestorben. Es ist, als würde er mich gerade von einer anderen Ebene daran erinnern, worum es eigentlich in all den Zeichen ging: Um etwas, das er mir bereits mein ganzes Leben vorgelebt hat.

Mit 12 Jahren zum Beispiel, da wollte ich unbedingt einen Hund haben. Meine Mama sagte damals irgendwann, dass ich ihn nur bekommen würde, wenn ich ihn selbst bezahle. Was als Kind natürlich kaum möglich war. Mein Bonus-Papa machte daraufhin einen Deal mit mir: Ich durfte jede Woche Kuchen für ihn backen und er kaufte mir jeden einzelnen völlig überteuert ab. So habe ich mir damals tatsächlich meinen Hund zusammengespart. Man könnte sagen, ich habe mir meinen perfekten Hund gebacken: Den Hund, der mich in diese Selbständigkeit geführt hat.
Und heute merke ich, dass mir mein Bonus-Papa damit (und mit vielen anderen kleinen Gesten) etwas unglaublich Wichtiges beigebracht hat: Dass man für seine Wünsche losgehen darf. Ganz gleich, ob andere deinen Wunsch sehen oder verstehen können.
Als er später selbstständig war, durfte ich ihm helfen und Flyer seiner Firma verteilen. Und natürlich wusste er damals genauso wie jeder andere Mensch auch, dass manche Leute diese Flyer aus dem Briefkasten direkt in den Müll werfen würden. Aber das hat ihn nicht davon abgehalten, mit seinem Vorhaben einfach loszugehen. Sein Fokus lag nicht auf denen, die die Flyer wegwerfen...
Er selbst war das beste Beispiel dafür, sich weder zu verstecken noch sich penetrant in den Vordergrund zu drängen. Er wusste es, auf eine ganz ruhige und selbstverständliche Weise seinen Weg zu gehen. Er wusste einfach: Es muss nicht für jeden passen.
Und genau das beginnt gerade auch bei mir anzukommen.
Nicht jeder wird meine Themen verstehen. Nicht jeder wird etwas mit Tierkommunikation, energetischer Arbeit oder schamanischen Ansätzen anfangen können. Und nicht jeder wird verstehen, dass diese anderen, „nicht spirituellen“ Seiten genauso zu mir gehören wie die Tierkommunikation.
Aber vielleicht muss das auch gar nicht jeder verstehen.
Vielleicht geht es vielmehr darum, dass ich selbst endlich aufhöre, mich kleiner zu machen oder mich so zurechtzubiegen, dass es für alle möglichst stimmig wirkt.
Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass Mut bedeutet, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, die Angst mitzunehmen und trotzdem loszugehen. Sichtbar zu werden, obwohl man nicht weiß, wie es ankommt. Und sich selbst zu erlauben, ganz zu sein — ohne sich ständig erklären oder einordnen zu müssen.
Und vielleicht ist genau jetzt der Moment, an dem ich mutig genug werde, damit zu beginnen.
DANKE, an den besten Bonus-Papa, den ich hätte haben können.
Seelenwege Tierkommunikation - Blick ein, in meine Welt










